Warum hat Laupheim 2 Schlösser?

Archivalie des Monats Mai 2022

Für einem Ort von Laupheims Größe ist es eher unüblich,  gleich 2 Schlösser zu haben und bis heute wird gelegentlich von Groß- und Kleinlaupheim gesprochen, doch woran liegt dies?

Nachdem die Welden im Jahre 1581 in Laupheim die Herrschaft in Laupheim antraten, bestimmten sie für 258 Jahre die Laupheimer Geschehnisse und prägten das Bild der Stadt maßgeblich. Die von den Ellerbachern übernommene Burg (Ersterwähnung 1325)  ließen sie als Zeichen ihrer neuen Herrschaft in Laupheim immer wieder umbauen und modernisieren. Diese Bauarbeiten bedeuteten für die Bevölkerung eine große Belastung, denn erst wenige Jahre zuvor musste sie die seitlich am Abhang stehende Lehensburg ganz neu aufrichten nachdem die ursprüngliche Laupheimer Burg am 25. März 1525 vom Baltringer Haufen zerstört worden war.

 

Das spätere Schloss Großlaupheim im Jahr 1907

 

Im Jahre 1621 teilte Carl von Welden aufgrund eines Streits über die Erbfolge unter seinen beiden Söhnen den Ort in die Ortsherrschaften Groß- und Klein-Laupheim auf, ein Schritt der in den darauffolgenden Jahren noch zu weiteren Streitereien und Prozessen innerhalb der Familie führte.

Im Jahre 1634 bekam das zunächst kaum betroffene Laupheim die Auswirkungen des 1618 auf deutschen Boden begonnen Dreißigjährigen Kriegs mit voller Härte zu sprühen. Die einfallenden Schweden plünderten und zerstörten den Ort und das Schloss. Der Bevölkerung im gesamten Umland von Laupheim wurde die Existenzgrundlage genommen. Durch die große wirtschaftliche Not litten nicht wenige an Hungernot und sich ausbreitenden Krankheiten. Es sollte Jahrzehnte dauern, bis die Folgen des Kriegs überwunden werden sollten. Zuwanderer aus den Alpenraum glichen die Bevölkerungsanzahl die in den Jahren zurückgegangen war später wieder aus.

Das im Krieg zerstörte Schloss wurde 1680 erneuert und im Jahre 1752 im damals modischen barocken Stil umgebaut. Durch die Erbteilung im Jahre 1621 führte die Familie gleich zwei Ortsherrschaften und so beauftragte man im Jahre 1766 den Baumeister Johann Georg Specht aus Lindenberg für den Freiherren Joseph Ignaz von Welden auf der Anhöhe von Kleinlaupheim ebenfalls einem standesgemäßen Herrschaftssitz zu errichten.

Der Standort der für das Schloss Kleinlaupheim gewählt wurde, hatte für den Ort schon lange eine große Bedeutung. Für Römer war die Anhöhe ein wichtiger Knotenpunkt denn schon damals liefen dort wichtige Straßen zusammen, später diente die Anhöhe als wichtiger Punkt für Alamannen, danach war sie Thingstätte des Rammagau und Sitz eines Hundertschaftsführers.

 

Schloss Kleinlaupheim um die Jahrhundertwende

 

Der Bau und Ausbau von gleich zwei Schlossern, ein prunkvolles Leben und die Teilnahme an den Kriegen Österreichs wozu die Welden mit ihrer Reichsritterschaft verpflichtet waren, führten schon bald dazu dass die Kassen der Welden kurz vor dem Bankrott standen. Die Versuche der Welden diesem Missstand durch das Erhöhen der Steuern und Gebühren oder den Ausweiten der Frondienste zu bewältigen führten verständlicherweise schon bald zu großen Groll seitens der Bevölkerung.

Eine Maßnahme die dann letzten Endes zur Lösung des Problems beitragen sollte, war eine die richtungsweisend für Laupheim sein sollte. Carl Damien von Welden fasste den Entschluss im christlich geprägten Laupheim gegen Bezahlung und weiterer Leistungen die ersten 20 zuzugswilligen jüdischen Familien anzusiedeln. Dieses Vorgehen war damals im deutschen und österreichischen Raum bei vielen Fürsten und Grafen durchaus üblich. Die jüdischen Familien erhielten in Erbpacht ein eignes, direkt an den Ortskern anschließendes Quartier zugewiesen welches wir noch heute als Judenberg kennen. Aufgrund des Misstrauens und der rassistischen Vorbehalte der vor allem christlich geprägten Bevölkerung Laupheims, wurden diese Familien an die sogenannten Judenschutzbriefe gebunden welche sie zu regelmäßigen Zahlungen an die Welden verpflichtete und sie mit den darin vereinbarten Einschränkungen zu Bürgern zweiter Klasse machten. Dennoch wuchs die jüdische Gemeinde Laupheims kontinuierlich und war zeitweise die größte jüdische Gemeinde des späteren Königreich Württemberg. Im Jahr der Stadterhebung 1869 erreichte sie mit 843 Mitgliedern ihre größte Ausdehnung.

Seit 1792 befand sich das revolutionäre Frankreich im Krieg gegen mehrere europäische Großmächte die die Revolution ablehnten. Frankreich – unter Führung von Napoleon Bonaparte – ging von einer anfänglichen Verteidigung zum Revolutionsexport nach Europa über. Die französische Armee konnte die linksrheinischen Gebiete des Heiligen Römischen Reiches annektieren. Napoleon und die französischen Truppen gewannen nun die Kontrolle über den deutschsprachigen Raum. Der von Napoleon im Jahr 1803 eingeleitete Reichsdeputationshauptschluss führte zu einer veränderten politischen Landkarte im deutschsprachigen Raum. Die über 300 Klein- und Mittelstaaten wurden zu größeren staatlichen Einheiten zusammengelegt. Geistliche Staaten verloren ihre Herrschaft und Besitztümer. Sie wurden den größeren Territorien einverleibt und säkularisiert. Napoleons „Flurbereinigung“ sollte vor allem die süddeutschen Staaten Württemberg und Baden vergrößern um ein „Bollwerk“ gegen Österreich aufzubauen. Österreich verlor nach seiner Niederlage umfangreiche Ländereien, auch Vorderösterreichs, sodass Laupheim 1805 unter bayerische Landeshoheit fiel. Diese währte allerdings nur wenige Monate. 1806 einigten sich Bayern und das von Napoleons Gnaden neu geschaffene Königreich Württemberg über Gebietsbereinigungen, die Laupheim unter württembergische Hoheit brachte. Hier endete die etwa 500-jährige Herrschaft Österreichs über Laupheim.

Unter Herrschaft des Königreichs Württemberg änderte sich vieles für Laupheim. Die Stadt wurde 1810 zum Oberamt Wiblingen zugeordnet, es bildete sich ein Gemeinderat und die aus dem Mittelalter überkommenen Rechte der Fürsten wurden mehr und mehr eingeschränkt. Als im Jahre 1836 im Landtag über die Abschaffung der Leibeigenschaft entschieden wurde, war Karl von Welden der einzige unter den 13 ritterschaftlichen Abgeordneten der dagegen stimmte. Am 6. Mai 1840 traten die Welden, auch auf Drängen der Bevölkerung, ihre Rechte an den Württembergischen Staat ab wodurch Ihre Herrschaft über Laupheim nach 258 Jahren endgültig endete. Dem Berichten des damaligen Ortsvorstehers Gottfried Brigel zufolge, soll der Grundherr den Verkauf der Schlösser unter Tränen besiegelt haben.

Für die beiden Schlösser wurde im Laufe der Zeit immer wieder andere Verwendung gefunden. Schloss Großlaupheim wurde im Jahre 1843 von Viktor Steiner erworben wodurch es in Privatbesitz kam, dieser richtete dort eine Brauerei ein. Im Jahre 1961 ging Schloß Großlaupheim durch Kauf an Laupheim über und dient seither als Museum.
Das Schloss Kleinlaupheim war ab 1845 Sitz des Oberamtes und Oberamtsgerichtes und beherbergt seit 1958  die Landespolizei Baden-Württemberg, und ist heute Sitz des Polizeireviers Laupheim.