Wahlplakat Bürgermeister Otmar Schick

Archivalie des Monats März 2022

Nachdem Gerold Rechle im Dezember vergangenen Jahres auf Grund seiner Krebserkrankung verstorben ist, hat kommissarisch die erste Bürgermeisterin der Stadt, Eva-Britta Wind, die Leitung des Rathauses übernommen. Nun wählt die Stadt Laupheim am 27. März einem neuen Oberbürgermeister. Die Stadt ist nun voller Wahlplakate, die früher oder später bestimmt ihrem Weg auch ins Stadtarchiv finden werden. Eines der ältesten Wahlplakate welches im Stadtarchiv verwahrt wird, stammt aus dem Jahre 1974 und wirbt für Otmar Schick. Dieser hatte das Amt des Bürgermeisters ganze 38 Jahre inne und veränderte die Stadt in dieser Zeit wie kaum ein anderer.

 

 

Bevor Schick das Amt des Bürgermeisters im Jahre 1966 übernahm, brodelte es In der damals 10.000 Einwohner zählenden Stadt an der Rottum. Seit eineinhalb Jahren war der Bürgermeisterposten vakant. Alle Versuche einen Nachfolger für Alfons Hagel zu finden, stießen ins Leere. Wiederholt wurden Wahlergebnisse angefochten.
Zwei Mitglieder des Gemeinderats, welche auf Schick bei seiner Rede in Untersulmetingen aufmerksam geworden waren, spornten den damals 31 Jährigen an sich zur Wahl zu stellen. Schick sprühte vor Tatendurst. Er stellte finanzielle und planerische Weichen für den Bau des Gymnasiums, einer Sporthalle und des Sportplatzes im Herrenmahd und skizzierte eine Fülle weiterer Vorhaben. Nach nur sechs Monaten präsentierte er einen Haushaltsentwurf der höhere Investitionen vorsah als sämtliche bisherigen Nachkriegsetats zusammen: 13 Millionen Mark.

Das kam bei den Laupheimern dennoch sehr gut an. Bei der Bürgermeisterwahl 1966 kürten sie Schick mit 88,7 Prozent der Stimmen zum Stadtoberhaupt. „Ein glückverheißender Tag für Laupheim“ titelte die Schwäbische Zeitung anlässlich der Amtseinsetzung. Drei Mal stellte er sich zur Wiederwahl, nie musste er darum bangen. Von 1971 bis 2004 gehörte er dem Biberacher Kreistag an. Die zahlreichen Projekte die in der 38-jährigen Ära Schick angepackt und vollendet wurden sind überall sichtbar. Schick leitete eine aktive Grundstückspolitik ein, die Wohnbau und wirtschaftlichen Zuwachs ermöglichte. Unter seiner Regie entstanden Schulen, das Rathaus und das Parkbad; die Stadtmitte wurde neu gestaltet. Mit langem Atem und Herzblut, wie es seine Art war, verfolgte Schick auch visionäre Projekte: Schloss Großlaupheim beherbergt seit 1998 ein wegweisendes Museum zur christlich-jüdischen Geschichte der Stadt, das marode Ökonomiegebäude nebenan wandelte sich zum Kulturhaus, und wohl nur wenige Städte dieser Größe besitzen ein eigenes Planetarium. Wo das Geld nicht reichte (was häufig der Fall war), ging er als unermüdlicher Zuschussjäger auf die Pirsch.

 

Gern sprach er von einem persönlichen Glücksfall, Bürgermeister in Laupheim gewesen zu sein. Seine Lebensleistung vor Augen, darf man getrost resümieren: Das gilt auch umgekehrt. Laupheim darf sich glücklich schätzen, einem wie ihn in dieser Position gehabt zu haben. Er legte Fundamente auf denen die Große Kreisstadt fußt.

Zu seiner Verabschiedung wurde das fast fertige Kulturhaus vorab für einem Abend geöffnet. 700 Gäste feierten Ottmar Schick. Er bekam das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse und die Ehrenbürgerwürde (für ihn die höchstmögliche Auszeichnung) verliehen. Beim Großen Zapfenstreich zur mitternächtlichen Stunde versammelten sich hunderte Bürger vor dem Rathaus. Ist er niemals amtsmüde gewesen? „Nie“ versicherte Otmar Schick bei seiner Pensionierung im Februar 2002.

 

 

„Laupheim war mein Lebensinhalt“. Über Jahrzehnte hat mir die Stadt alles bedeutet.“

 

Auch ein Alterssitz kam für ihm nicht in Frage. Er pflegte stets zu sagen:

 

“Laupheim ist eine Stadt fürs ganze Leben“