Was heute als Freizeitbereich Rißtal ein beliebtes Naherholungsgebiet für Wassersportler, Naturliebhaber und Familien ist, begann vor über 50 Jahren als unscheinbares Kiesabbaugebiet. Ein Blick auf die wichtigsten Etappen der Entwicklung zeigt, wie visionäre Entscheidungen und beharrliche Planungen das Gebiet prägten.
Seinen Ursprung nahm der Freizeitbereich im Oktober 1969, als die Gemeinde Obersulmetingen den Grundstein legte. Sie schloss mehrere Verträge mit der neu gegründeten Süddeutschen Kiesgewinnungs-GmbH ab. Von Anfang an war das Ziel klar: Nach dem Kiesabbau sollte hier ein Naherholungsgebiet entstehen. Bereits am 20. Mai 1970 wurde der offizielle Abbauantrag eingereicht, und 1971 erteilte das Landratsamt Biberach die Genehmigung für den Nassabbau.
Mit der Eingemeindung Obersulmetingens im Jahr 1975 übernahm Laupheim das Areal. Doch bürokratische Hürden und langwierige Genehmigungsverfahren führten dazu, dass der Ausbau des Geländes bis 1982 stagnierte. Erst dann beschloss der Gemeinderat, einen Bebauungsplan zu erstellen, der sich am Regionalplan Donau-Iller orientierte. Ein Grünordnungsplan stellte sicher, dass auch der Naturschutz nicht zu kurz kam.
Bis zu diesem Zeitpunkt war der nördliche See schon voll ausgeschöpft und im südlichen See wurde noch Kies abgebaut. Der nördliche See wurde zwar schon als Erholungsgebiet von Schwimmern und Windsurfern genutzt, aber es fehlte an einer passenden Infrastruktur, was ab und an zu Problemen am See führte.

Artikel aus der Schwäbischen Zeitung vom 15. Mai 1982 über dem Bebauungsplan des „Freizeitbereichs Rißtal“
So sah der Bebauungsplan damals aus:
Zwei Seen sollten das Landschaftsbild prägen. Der nördliche See sollte für Wassersportarten wie Segeln, Surfen und Rudern freigegeben werden – Motorboote waren von vorne rein tabu. Der südliche See hingegen war als Biotop geplant und sollte seltenen Vogelarten einen geschützten Lebensraum bieten.
Geplante Liegewiesen, Spielplätze, Grillplätze und Rundwanderwege sollten zum Verweilen einladen. Zäune zur Abgrenzung sollte es für die verschiedenen Nutzungsbereiche nicht geben – dies sollte geschickt platzierte Bepflanzung übernehmen . Wenige Gebäude für Verwaltung, Sport und Versorgung sollten sich harmonisch in die Landschaft einfügen.
Wie wir heute wissen, ist jedes dieser Ziele erreicht worden.
Aufnahmen des nördlichen Sees aus dem Jahr 1986.
Hier seht man wie dünn die Ufer um den See noch waren, der Parkplatz völlig fehlt und dass die Renaturierung teilweise noch am Anfang war
Ende der 1980er Jahre wurde der Strand weiter ausgebaut und der Parkplatz wurde endlich hinzugefügt.
Nach dem Abbau der Betriebsanlagen des ehemaligen Kieswerks im Jahr 2013 konnte das Gelände weiterentwickelt werden. Mit dem Bau des „Mobi Parks“ – einem Hochseilgarten – und dem Abriss der letzten Baracken wurde das Gebiet bis August 2016 vollständig von den Spuren des industriellen Ursprungs befreit. Der „Mobi-Park“ feierte im Mai 2017 schließlich seine offizielle Eröffnung.

Schwäbische Zeitung vom 15.05.2017 über die Eröffnung des Mobiparks auf dem Gelände des ehemaligen Kieswerks
Parallel zur Freizeitentwicklung wurde der südliche See als Naturschutzgebiet ausgebaut. Um brütende Vögel zu schützen, verlegte man 2019 beliebte Spazierwege, sperrte Uferbereiche und schuf ungestörte Rückzugsorte für die Tierwelt.
Der Freizeitbereich Rißtal ist heute ein vielseitiges Ausflugsziel für Schwimmer, Surfer, Taucher, Angler, Kletterer und Spaziergänger. Er steht als gelungenes Beispiel dafür, wie aus einem Kiesabbaugebiet ein wertvoller Natur- und Erholungsraum entstehen kann.