In diesem Jahr feiert Laupheim 130 Jahre Realschule. Seit ihrer Gründung war sie ein zentraler Motor der städtischen Bildungsentwicklung – und eng verbunden mit Laupheims Weg vom „Schulnachzügler“ zur Schulstadt.
Schon seit 1845 galt Laupheim als Oberamtsstadt als „reif“ für eine weiterführende Schule. 1869 entschied man sich zunächst für eine klassisch-humanistische Lateinschule, weil sie den Zugang zu höheren Bildungswegen erleichterte.
Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung als Gewerbe- und Handelsstadt wuchs im späten 19. Jahrhundert jedoch der Bedarf an praxisnaher mittlerer Bildung – stärker naturwissenschaftlich und modernsprachlich ausgerichtet. Private Initiativen scheiterten, bis der Mangel 1892 öffentlich als dringend benannt wurde. 1896 entstand schließlich eine selbständige Realschule neben der Lateinschule. Sie setzte früh auf Naturwissenschaften sowie moderne Sprachen (zunächst Französisch, später Englisch) und wurde sofort stark nachgefragt.
Nach organisatorischen Umstrukturierungen entstand eine „Latein- und Realschule“, anfangs als Knabenschule. 1904/05 setzte sich die Aufnahme von Mädchen durch – ein Schritt, der die Schule sichtbar wachsen ließ. 1911 folgte der Umzug in den Neubau in der Rabenstraße (heute Wielandschule).
Mit dem Ausbau zur sechsklassigen Schule (1925) und der Einführung der Mittleren Reife festigte sich die Realschule als Bildungsweg. 1930 trug die Schule den Namen „Realschule mit Lateinabteilung“. In den 1930er-Jahren verschärfte sich die Lage für jüdische Schülerinnen und Schüler. 1937 verschwand der Begriff „Realschule“ schließlich per staatlicher Vorgabe aus dem Namen: Die Schule wurde zur „Oberschule in Laupheim“.

Die heutige Wielandschule in der Rabenstraße. In dieses 1911 neuerbaute Gebäude konnte die Schule einziehen
Über Jahrzehnte fehlte in Laupheim eine klar ausgewiesene mittlere Schule als eigener Bildungsgang. Besonders spürbar wurde das 1932, als in der Weltwirtschaftskrise die katholische Mädchen-Mittelschule aus finanziellen Gründen aufgelöst wurde.
Erst im Zuge der Bildungsexpansion der 1960er-Jahre kam es zur Wende: 1968 wurde in bemerkenswertem Tempo wieder eine Realschule gegründet – der direkte Ursprung der heutigen Schule. Der Gemeinderat beschloss am 12. Februar 1968 den Antrag, am 18. Juli 1968 kam telefonisch die Genehmigung, und am 9. September 1968 begann der Unterricht (zunächst unter provisorischen Bedingungen).
Die Schule wuchs rasch und wurde zugleich wichtiger Anziehungspunkt für das Umland. Ab Mitte der 1970er-Jahre kamen häufig mehr als die Hälfte der Schülerinnen und Schüler von außerhalb, zeitweise sogar bis zu zwei Drittel (z. B. 1992/93). Nach Schwankungen in den 1980ern („Pillenknick“) erreichte die Schule in den 1990ern erneut ein Hoch. 1995 wurde mit 801 Schülerinnen und Schülern der damalige Rekord erreicht – als größte Realschule im Landkreis Biberach. Ebenfalls 1995 erhielt die Schule ihren heutigen Namen: Friedrich-Adler-Realschule. Namensgeber ist der in Laupheim geborene jüdische Künstler und Designer Friedrich Adler, der 1942 deportiert und ermordet wurde. Die Namensgebung ist bis heute ein bewusstes Zeichen der Erinnerungskultur.
Ein großer baulicher Meilenstein war der Schulerweiterungsbau ab 2011 im Verbund mit dem benachbarten Carl-Laemmle-Gymnasium; 2012 wurde die Erweiterung eingeweiht. Seit 2012 gehört die Schule außerdem zum Netzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. Steigende Schülerzahlen in den 2020er-Jahren machten zusätzliche Räume nötig: 2023 kamen Modulbauten mit zwei Klassenzimmern hinzu, 2025 folgten weitere Module. Parallel wurden im Bestandsgebäude Umbauten umgesetzt.
Fazit: Von der Gründung 1896 über den Bruch der 1930er-Jahre und die Neugründung 1968 bis zur Modernisierung der Gegenwart zeigt sich: Die Realschule war und ist ein zentraler Motor der Laupheimer Bildungsentwicklung.