Die Synagoge von Laupheim

Archivalie des Monats November 2021

Die ersten Laupheimer Juden konnten sich zu Ihrem Gottesdienst noch mit einem Betsaal im oberen Stockwerk des Hauses von Metzger Michael Laupheimer an der Judengasse begnügen. Das anhaltende Wachstum der Gemeinde verlangte jedoch dem Bau einer besonderen Synagoge. Sie wurde 1771 neben dem Friedhof an der Stelle errichtet an der später das jüdische Leichenhaus entstand. Aber schon 1822 wurde ein noch größeres Gotteshaus erforderlich.

Es wurde von Mauermeister Schwitthelm aus Ulm errichtet und kostete rund 16000 fl, musste jedoch schon 1836 durch einen noch größeren vollständigen Neubau ersetzt werden. Es wurde Wieder nach vier Jahrenzehnten war ein nochmaliger Umbau fällig. erhielt durch zwei gedrungene Treppentürme mit Kuppeldach und weite rundbogige Fenster ein stattliches, an den Renaissancestil erinnerndes Aussehen. Mitten auf dem Frist standen, eine Besonderheit für eine Synagoge, zwei Glocken übereinander, die jedoch nicht etwa wie bei den christlichen Gotteshäusern dazu dienten, die Gläubigen zum Gottesdienst zusammenzurufen, sondern wie  die Uhrtafel im inneren die Aufgabe hatten, die Zeit anzuzeigen. Zwischen den Türmen führte der Haupteingang zunächst in eine Vorhalle. Hier hingen an den Wänden goldgeramte Tafeln mit den Verzeichnissen von etwa 400 Stiftungen und Jahrtagen. In das eigentliche Heiligtum gelangte man durch drei Glastüren. Über dem mittleren Eingang hing ein Segensspruch für das letzte württembergische Königspaar. Das Innere war sehr geräumig; hohe Rundbogenfenster sorgten auf allen Seiten für die notwendige Helligkeit. In der Nische unter der Uhr wurde, von einem Vorhang verhüllt, die Thora, das jüdische Heiligtum, verwahrt. Davor standen der Predigtstuhl und der Altartisch. Am ihn trug der Vorbeter die heiligen Losungen und die Gebete vor. In einer reichverzierten Ampel brannte das “Ewige Licht”. Von der Decke des Gotteshauses hingen elf sechsarmige Leuchter herab, deren Kerzen Tag und Nacht brannten. Rechts vom Altartisch hatten die Sänger ihre Sitzplätze, diesen gegenüber die Knaben. Für den Rabbiner und seinen Stellvertreter waren neben der Thoranische zwei Sitze bestimmt. Während die jüdischen Frauen beim Gottesdienst nur als passive Teilnehmer auf den Emporen zugelassen waren, stand den Männern unten ein zweireihiges bequemes Gestühl in blutroter Farbe zur Verfügung. Sie hatten die Verpflichtung, bedeckten Hauptes dreimal täglich, und zwar bei Sonnenaufgang, nachmittags und bei Sonnenuntergang die Synagoge zum Gebet zu erscheinen.