Die Überschwmmungskatastrophe von 1926

Archivalie des Monats Juni 2021

Für Juni fiel die Wahl für die „Archivalie des Monats“ auf Fotografien zu der Überschwemmungskatastrophe von 1926 in Laupheim. Die Sommermonate sind nicht nur dafür bekannt hohe Temperaturen und schöne sonnige Tage zu bieten, sondern auch für heftige Regenfälle und sogar Überschwemmungen. Heuer klagt jedermann über den gar zu vielen Regen, der fast Tag für Tag vom Himmel strömt. Aber es noch nassere Jahrgänge gegeben…

Georg Schenk erinnert sich in einem Bericht dazu noch lebhaft:
Seit Mittwoch dem 2. Juni 1926 hatte es ununterbrochen geregnet. Alle Vorbereitungen waren schon für die am anderen Tage fällige Fronleichnamsprozession getroffen worden; sie musste jedoch ausfallen, denn es regnete und regnete weiter. Auch am Freitag hatte der Himmel seine Schleusen immer noch offen. Bäche und Flüsse schwollen immer mehr an und begannen über ihre Ufer zu treten.
Schon um neun Uhr des Vormittags konnte die Laubach die aus Grund hervorbrechenden Wassermassen nicht mehr aufnehmen; sie traten über die Ufer und wurden zum reißenden Strom. Sie drangen mit heftiger Gewalt aus dem Schlosspark durch das Fäbergässle zum Marktplatz vor, durchbrachen das Haus von Schumacher Müller und bedrohten die Gebäude vom Mineralwasserfabrikant Stammler und Karl Schmid. Auch die Wege wurden aufgerissen. Die Mittel- und Rabenstraße ergoss sich zunächst ein schmaler, reißender Bach, der sich schnell über die ganze Breite der Straße ausdehnte. Mit Mühe und Not brachte man die Schulkinder über die schmutziggelben Wogen in Sicherheit; die Kleinen weinten vor Angst, die Großen freuten sich des aufregenden Erlebnisses, das ihnen einen vorzeitigen Abbruch des Unterrichts bescherte. Gegen zehn Uhr waren alle Straßen auch in der Unterstadt überschwemmt; wie Inseln standen die Gebäude im tobenden Element. Es half nur wenig, dass mancher versuchte, seinem Eindringen in Keller und Untergeschoss durch allerlei Behelfsmittel Einhalt zu gebieten. In vielen Häusern mussten die unteren Stockwerke geräumt werden. Vieh, Schweine und Geflügel wurden hastig in Sicherheit gebracht. Noch um elf Uhr schwoll das Wasser an und jetzt umso mehr, als es nun in der Rottum keinen Abfluss mehr fand.

Die Not stieg, denn nun kamen die Wassermassen auch noch von unten herauf. Die Rottum hatte bereits das ganze Wiesengelände bei der Steinerschen Werkzeugfabrik in einen brodelnden See verwandelt. Die Bewohner der Insel und der Krautgasse mussten in Sicherheit gebracht werden. Allenthalben wurde bei der Räumung der Häuser und Eindämmung des Wassers von den wackeren Mannen der Feuerwehr und der Sanitätskolonne, die man aus den Betrieben alarmiert hatte, tatkräftige Hilfe geleistet. Die Brücken wurden überschwemmt; der Verkehr musste eingestellt werden. Noch um fünf Uhr nachmittags wurden auch die Häuser entlang der Rottum und in der Sterngasse geräumt, denn der Flusslauf stieg im Laufe des ganzen Tages immer mehr an, während die dem Grund entströmenden Gewässer schon ab zwei Uhr langsam nachließen. Gegen Abend konnten einige Straßen um den unteren Marktplatz wieder begangen werden.

Hier sind einige Aufnahmen der Hochwasserkatastrophe aus dem Jahr 1926.