Schätze aus Glas: Die Glasplattennegative

Archivalie des Monats März 2026

Fotografien gehören zweifellos zu den beliebtesten Archivalien im Archiv. Ihnen gelingt es auf eindrucksvolle Weise, Momente für die Ewigkeit festzuhalten. In der heutigen Zeit, in der jeder ein Smartphone zur Hand hat und täglich Hunderte von Fotos schießen kann, vergisst man schnell, wie aufwendig der Prozess des Fotografierens in der Vergangenheit war – und wie schwierig die Verwahrung der ältesten Fotografien ist.

Vor der Digitalkamera war Zelluloid das primäre Trägermedium für Fotografien. Schon diese Filme sind wesentlich komplexer aufzubewahren, und der Prozess der Bilderzeugung war ungleich zeitraubender. Das älteste und erste Trägermedium für Fotoemulsionen waren allerdings Platten aus Glas.

Mitte des 19. Jahrhunderts revolutionierten Glasplatten die Fotografie. Im Vergleich zu früheren Verfahren erlaubte Glas eine bis dahin ungekannte Detailtiefe und messerscharfe Kontraste. Ob kunstvolle Porträts aus der Jahrhundertwende oder die ältesten Stadtansichten unserer Stadt– die Fotoplatten fingen die Realität in einer Qualität ein, die uns noch heute staunen lässt. Doch der Weg zum fertigen Bild war Handarbeit: Die Platten mussten oft direkt vor dem Fotografieren chemisch beschichtet und noch im nassen Zustand belichtet und entwickelt werden.


Durch das Sichtbarmachen, also  dem Verwandeln der Negative in positive Bilder, sind solche Aufnahmen von Laupheim erhalten geblieben:

Bild der Flut von 1926 in Laupheim

der Vereinsausschuss bei der Eröffnung der Höhenanlage

Postamt von Laupheim (Heute VHS) Anfang des 20. Jahrhunderts.


So robust das Glas gegen Hitze oder Alterung im Vergleich zu frühem Kunststoff ist, so fragil ist es im Archivalltag. Ein falscher Handgriff genügt, und ein unwiederbringliches Stück Zeitgeschichte zersplittert.
Die Bewahrung dieser Schätze erfordert höchste Präzision. Im Stadtarchiv Laupheim werden die empfindlichen Glasplatten schonend gereinigt, in spezielle, säurefreie Schutzhüllen verpackt und in bruchsicheren Kisten dauerhaft gesichert.

Um diese historischen Bildquellen gleichzeitig für die Forschung und alle Geschichtsinteressierten nutzbar zu machen, hat das Stadtarchiv Laupheim den gesamten Bestand vollständig digitalisiert. Das hat für die Erhaltung einen unschätzbaren Vorteil: Die originalen, hochgradig bruchgefährdeten Glasplattennegative können ab jetzt glücklicherweise dauerhaft sicher und unberührt im Magazin verwahrt bleiben.


Gruppe mit „Weihnachtsliebesgaben“ während des 1. Weltkriegs.
Glasplattennegativ (Quelle Stadtarchiv Laupheim)

Gruppe mit „Weihnachtsliebesgaben“ während des 1. Weltkriegs.
Positiv (Quelle Stadtarchiv Laupheim)


Für die Nutzung im Archiv stehen die historischen Aufnahmen heute vollständig als  Positive bereit. Sie können alle Aufnahmen bequem über das Online-Findbuch recherchieren und die Bilder anschließend direkt im Stadtarchiv einsehen. Ein klick auf die Schaltfläche genügt und sie werden direkt zum Findbuch weitergeleitet.

Findbuch Glasplatten